Desertifikation

Desertifikation oder fortschreitende Wüstenbildung bezeichnet die Verschlechterung des Bodens in relativ trockenen (ariden, semiariden und trocken sub-humiden) Gebieten, die durch unterschiedliche Faktoren einschließlich Klimawandel und menschlicher Aktivitäten herbeigeführt wird.[Wikipedia]

Namibia hat sie, Lybien hat sie, Ägypten hat sie auch, Argentinien hat sie, Nevada hat sie besonders und selbst China hat sie. Und wer hätte es gedacht, auch Deutschland hat sie. Allerdings leidet es hier eher an Mangel in den Servicedienstleistungen. (Oder am Sachverstand gewisser Leute)
Die Servicewüste Deutschland.

Eine gute Freundin, der neuen Techniken sehr aufgeschlossen, aber ansonsten doch eher der nutzende Consumer, hat sich vor gut 4 Jahren einen DVD-Festplatten Recorder einer namhaften Firma gekauft.
Das Teil tat auch relativ gut seinen Dienst, bis … Die Aufnahmefunktion auf die Festplatte meldete dieselbe als voll und belegt. Soll bei Festplatten, auch mit 160GB Kapazität, wohl mal vorkommen. Die gute Freundin wollte Platz schaffen und wählte sich durch die Menüs um alte Filme zu löschen.
Welch Überraschung, das Inhaltsverzeichnis der Aufzeichnungen war leer. Keine müde Ratze wahr zu finden. Aufzeichnen wollte das Gerät aber immer noch nicht.
Meine Freundin schaffte das Gerät also zu einem, dem ursprünglichen Lieferaten angeschlossenen, Serviceunternehmen.
In diesem Unternehmen erklärten sie der Kundin, daß es wohl eine Weile dauern würde bis man sich diesem Problem annehmen könne. Viel zu tun, wenig Mitarbeiter, wir kennen diese Aussagen zur Genüge.
Das sei alles kein Problem, erwiederte meine Freundin, da sie eh beschlossen habe, der Eiseskälte in Deutschland für ein paar Wochen zu entfliehen.
Drei Wochen später.
Anruf bei besagtem Serviceunternehmen ob sich denn schon etwas getan habe.
Sie bedauerten es ausserordentlich, aber man sei bei dem Gerät auf tiefgreifende Probleme gestossen und müsse nun auf einen auswärtigen Fachmann zurück greifen.
Meine Freundin harrte der Dinge die da kommen würden.
Einige Zeit später eine Nachricht. Der Fachmann habe das Gerät untersucht. “So einen Fehler hätte man bisher noch nicht gehabt.” Anbei war ein Kostenvoranschlag. Austausch der Festplatte und Aufspielen neuer Systemsoftware. Kostenpunkt 170 Euro. Und für die Untersuchung stellte man weitere 30 Euro in Rechnung.
Meine Freundin nahms und wollte sich die ganze Sache überlegen. Zumal ein Angebot eines größeren Discounters über ein neueres Gerät dieser Klasse, für knapp 20 Euro mehr als die Reparaturkosten, in den nächsten Tagen in Aussicht stand.
Nun begab es sich, daß ich kürzlich mit meiner Freundin zusammentraf und sie mir ihr Leid bezüglich des dahin geschiedenen Recorders klagte. Und, mit einem Augenaufschlag, ich kenne mich doch mit Technik aus, ob ich denn nochmal einen Blick auf den Verblichenen werfen wolle.
Nun, muss ich zugeben, bin ich in technischen Dingen zwar durchaus begabt und baue auch Computer selber, aber von Consumerelektronik habe ich bisher immer erfolgreich die Finger gelassen.
Aber wer kann der liebevoll vorgetragenen Bitte einer guten Freundin widerstehen.
Diverses Rüstzeug unter dem Arm schlug ich dort auf und schaute mir das corpus delicti genauer an.
Halt der übliche Inhalt. Diverse hochintergrierte Bauteile, die in dem grossen Gehäuse etwas verloren wirkten, ein DVD Laufwerk und eine Festplatte welche in jedem normalen Computer verbaut waren.
Die Platte war schnell ausgebaut und an den Laptop angeschlossen. Ich habe zwar keine Inhalte gesehen aber der Typ und die Größe wurden noch angezeigt. Hier sollte man die Hoffnung nicht allzuschnell fahren lassen.
Gott sei es getrommelt und gepfiffen gibt es das große weite Internet. Und ich war guter Dinge daß der Fehler vielleicht schon anderen Menschen aufgefallen war.
Nun ja leider war dem nicht so. Aber… ich fand einen interessanten Artikel über eben selbiges Gerät der sich zwar um etwas gänzlich anderes handelte, mich aber zumindest in punkto Festplatte doch weiter brachte.
Das Gerät konnte Festplatten eigenständig formatieren. Da die vormals gespeicherten Inhalte eh verloren waren, konnte es nur besser werden.
Gesagt getan, der Recorder rödelte eine kurze Weile vor sich hin, bekam einen Schluckauf und bootete neu.
Und wer sagt es. Der Recorder erinnerte sich wieder an seine ursprüngliche Aufgabe, nämlich Filme aufzuzeichnen und diese sogar wieder heraus zu geben.
Eitel Freude machte sich breit ob der gesparten Euros. Und im Anschluss eine wilde Wut über die kolossale Inkompetenz gewisser “Fachleute”.
Alles in allem hatte diese Prozedur inklusive der Internetsuche durch mich “Nichtfachmann” wohl zwei Stunden gedauert. Bei einem sicher angemessenen Stundenlohn von sagen wir mal 25 Euro, wären somit 50 Euro für den Kunden angefallen. Besagte Festplatte gibt es im Internet ausserdem noch für gut 62 Euro (Brutto).
Ein Schelm wer Böses bei dem o.g. Preis denkt.
Ich freute mich ein Gerät der endgültigen Entsorgung entrissen zu haben.
An allen Ecken wird uns vorgeworfen nur eine Konsumergesellschaft zu sein. Allzuschnell altes verbrauchtes gegen Neues einzutauschen.
Ich will nicht wissen wieviele gute und vormals teure Geräte auf diese Weise den Weg alles Endlichen gehen. Nur weil Inkompetenz und überteuerte Reparaturen, in technischen Dingen unerfahrenen Bürgern, schon keine Wahl mehr lassen als neu zu kaufen.
Da ergeht sich unsere Regierung in immer weiter ausufenden Gesetzen und Verordnungen zum elektronischen Abfallproblem. Es wäre ein leichtes der Industrie vorzuschreiben das alle Geräte die von normalen, nicht technisch geschulten, Bürgern bedient werden, ab sofort modular aufgebaut werden.
Des weiteren ist es dem Bürger zu ermöglichen sein Gerät mit standartisierten Prüfmethoden selbst im Laden zu testen. Fehlerhafte Bauteile können vor Ort durch entsprechend vorgehaltene Ersatzteile schnell und günstig ersetzt werden. Und… sogenannte Fachverkäufer habe entsprechende Qualifikationen zu erwerben, damit sie dem Käufer technisch sinnvolle Auskünfte und Hilfestellung anbieten können. Diese Qualifikationen sind in regelmässigen Abständen zu erneuern.
Ok diese Idee stammt nicht von mir. Sie ist geklaut aus dem Roman Ökotopia von Ernest Callenbach. Aber durchaus dazu gedacht, daß ökologisches Bewustsein in keinster Weise einer technologischen Höherentwicklung einer Gesellschaft entgegen steht.
Hier besteht durchaus Wachstumspotential für eine erneuerbare Wirtschaft. Die Industrie täte gut daran, hierüber mal nachzudenken. Denn Recourcen sind endlich, wie wir ja langsam erkennen.
Sicher wird es ein paar arbeitslose “Fachverkäufer” geben. Aber es steht ja jedem frei sich entsprechend zu qualifizieren. Oder in Zukunft nur noch das zu tun was sie vielleicht besser können. Nämlich Fächer einräumen.
Bei entsprechend gekürztem Gehalt natürlich.

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